2006_SchwanenhalsHoch

 

Michael Hofstetter, Schwanenhals XXL (Model English Red), 42 x 182 x 246 cm, painted wood, aluminum

 

2006_SchwanenhalsQuer

Michael Hofstetter, Schwanenhals XXL (Model English Red), 42 x 182 x 246 cm, painted wood, aluminum

 

 

Schwanenhals XXL
ein Tisch von Michael Hofstetter

42 x 182 x 246 cm, gebeiztes Holz, Aluminium
in den Farben Englischrot und Pistaziengrün

Schwanenhals ist ein eleganter flacher Wohnzimmertisch des Kontextkünstlers Michael Hofstetter. Der Tisch scheint zu schweben. Nichts an ihm ist ausgedacht. Nichts erfunden. Ein dreidimensionales Objet trouvé aus der Kindheit des Künstlers: eine Objekt gewordene Schablone für das Zeichnen von Radien aus dem Werkunterricht. Diese Gestaltungsökonomie macht den Tisch vom Moment seines Entwurfs an zum Klassiker.

Die dynamische Grundform in ihrer wellenartigen Bewegung zwischen drei unterschiedlich proportionierten Ausbuchtungen setzt sich im Vertikalen fort. Die Füße sind ebenfalls Wellen. Auf der Tischplatte werden sie zu Intarsien, zeigen den geometrischen Kern, von dem aus der Tisch pulsiert. Dreimal wiederholt das Design die sichtbare Linie der Fußwelle auf der Tischplatte. Aus der Selbstreflektion des Designs entsteht so ein Intarsienmuster, das sich spielerisch über jeden Dogmatismus hinwegsetzt, den klassischen Gestaltungsmomenten aber treu bleibt und die Formensprache der Moderne zitiert.

Schwanenhals zeigt sich auf dem ersten Blick in seinem amöbenhaften Aussehen als zeitgenössisches Blob-Design. Kontrapunktisch setzt seine Gestaltung die strenge Geometrie der Moderne dagegen, folgt dem Prinzip „form follows function“, um es sogleich spielerisch wieder aufzuheben. So entsteht in einem dialektischen Wurf ein zeitloses Objekt.

Hofstetter versteht es auf bravouröse Weise, mit zwei gegenläufigen Prinzipien ein Objekt zu entwerfen, das alle in es gesetzten Formsprachen in seiner Funktionalität zurückbindet. Auch weil dieses Objekt der minimalistischen Tradition verpflichtet ist, erscheint es maximal und wird so nie langweilig.

Shiva Lachen 2005