Michael Hofstetter

gefühle abgründe zufälle unglücke

14. Mai - 30. Juni 2020

Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg
Regierungsstraße 4-6
39104 Magdeburg
www.kunstmuseum-magdeburg.de

 

 

Michael Hofstetter, War nicht so Gemeint, 2008/20
Movie, 30", Trailer

 

Michael Hofstetter, Was soll ich tun?_ Manifest#15, 1999
Computeranimation 3"

 

 

 

Michael Hofstetter ist Künstler und deshalb denkt er über das Kunstmachen nach. Seine Arbeiten zeigen Rauch, loderndes Feuer, Neonlicht oder Worte. Titel seiner Werke sind „Für Franziska“, „War nicht so gemeint“, „Toxic Sculpture“ und sogar „Ohne mich“. Michael Hofstetter hat dies alles erdacht und doch fühlt er sich offenbar nicht dafür verantwortlich, was wir damit anfangen. Die Kunst entsteht immer erst im Zuge ihrer Betrachtung und das bedeutet, sie entsteht erst in unseren Augen, also in dem Moment, wo sie bereits dem Künstler entzogen ist.

Offensichtlich geht es dem Münchner Künstler kaum darum, mit traditionellem Instrumentarium Bilder zu malen oder Skulpturen herzustellen, sondern Aktivitäten in die Welt zu setzen, mit denen er uns in den gedanklichen Austausch ziehen möchte. Hierzu verwendet er Kleidungsstücke, Fotografien, Interviews, Filme, Objekte, Räume, allesamt dienen sie als Interventionen, die sich unseren Gewohnheiten von Kunst und Leben in den Weg stellen.

Michael Hofstetter ist davon überzeugt, dass es in der Gegenwartskunst um mehr als um schöne und kostbare Bilder gehen muss. Weil er, wie die Künstlerinnen und Künstler zur Zeit der Umbrüche in den 1920er oder 1960er Jahren daran festhält, dass die Kunst an ihren Utopien festzumachen ist, will seine Kunst die Utopie ins Leben binden. Worüber wir sprechen, woran wir denken, wem wir folgen, was wir tun, nichts geschieht losgelöst von den Lebensumständen, für die die Menschen nur sich selbst verantwortlich machen können. Warum fügen wir uns diesen Umständen so oft? Michael Hofstetter ist ein Fallensteller unserer Gedanken, denen er neue Räume öffnen will.

Auch in der Kunst gilt, was sich über den Rand des Gewohnten hinauswagt, ist neu und schutzlos, aber es kann sich frei und unbefangen bewegen. Deshalb unterscheidet sich die Begegnung mit seiner Kunst von der gewohnten Betrachtung von Gemälden oder Skulpturen. Viele Ausstellungsstücke wirken verspielt und flüchtig. Sie laden dazu ein, uns in die Kunst hineinzubegeben, uns in ihrem Licht zu sonnen, in ihrem Rauch zu verstecken, auch die Einschusslöcher der Zeit zu registrieren und in den Sinn der geschriebenen Worte und Symbole einzutauchen, wo wir uns in ihren „Gefühlen“, „Abgründen“ oder „Zufällen“ verzetteln können. Kunst und Leben bleiben miteinander verflochten. So betrachtet könnte man seine neue Neonarbeit „Upcycling“ an der Ostfassade des Kunstmuseums auch persönlich nehmen. Hofstetter liefert eine Antwort für die wichtigste Aufgabe der Kunst. Sie sollte, mit Theodor W. Adorno formuliert, immer wieder alle Möglichkeiten als Chancen für das Leben angehen und nutzen.